
Büttel
Zwei Büttel gehen der Zunft im Umzug voran. Mit ihren Schellen läuten sie symbolisch die Fasnet ein.
- Häs
- Eine alte grüne Polizeiuniform mit Mütze und Koppel.
- Zubehör
- Ein kleiner Dolch am Gürtel und die Schelle in der Hand.
Jede Figur der Zunft hat ihre eigene Maske, ihr eigenes Häs und ihre eigene Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die drei Haupthäs: Strohbutz, Weckazwinger und Schrättele.

Der Strohbutz ist die älteste Figur der Herbertinger Fasnet. Mit seinem lachenden Gesicht und dem raschelnden Häs ist er im Umzug nicht zu übersehen.
Fliagt a Vögele übers Feld,gib mir au a Fasnetsgeld,aber it so wenig,oder i sag's em König!
Früher wickelten sich Kinder in der Fasnet in Stroh und zogen von Haus zu Haus. An jeder Tür sagten sie einen Vers auf und baten um ein wenig Fasnetsgeld. Aus diesem Brauch ist der Strohbutz entstanden.



Der Weckazwinger ist der Weißnarr der Zunft. Sein Häs ist mit ländlichen Motiven bemalt und überall hängen kleine Holzwecken und kleine Glöckchen.
Um 1900 besuchten sich die Kirchengemeinden der Gegend noch gegenseitig in Bittgängen. Über Felder und Fluren zogen sie zueinander und erbaten den Segen Gottes. Voran ging das Kreuz, dann der Pfarrer mit den Ministranten und schließlich die Bittgänger. Die Wege waren oft 10 bis 15 Kilometer lang, und unterwegs kamen Hunger und Durst.
Vor den Kirchen standen deshalb Marktweiber und verkauften Wecken. Der Sage nach reichten Wecken und Brot immer, wenn die Nachbarn nach Herbertingen kamen. Kamen aber die Herbertinger zu Besuch, war nie genug da. Böse Zungen behaupten, es musste sogar nachgebacken werden. Daher stammt der Name Weckazwinger.



Dazu gelten die Regeln für alle Hästräger.

Falsch
Richtig
Das Schrättele zeigt das Gesicht eines alten, griesgrämigen Weibleins. Hinter der Figur stecken zwei Sagen von Mägden, die nachts als Schrättele umgehen mussten.
Eine Herbertinger Magd musste jede Nacht als Schrättele wandern. Als der Bauer merkte, dass sie nachts das Haus verließ, stellte er sie zur Rede. Nach langem Zögern gestand sie es. Helfen könne ihr nur eines: Sie müsse im Haus zerbrechen dürfen, was sie wolle.
Der Bauer willigte ein. Am nächsten Morgen war sein liebstes Tier, der Hund, tot. Die Magd aber war frei.
Eine andere Magd hatte das Schrättelegehen von ihrer Mutter geerbt. Nachts wanderte ihre Seele als weiße Maus umher und musste etwas erdrücken. Der Bauer kam ihr auf die Schliche und versperrte der Maus den Weg in den Stall.
Am Morgen war die Magd ganz zerschunden, denn sie hatte in der Nacht eine Eiche erdrückt, die im Hof lag. Sie gestand, ein Schrättele zu sein. Der Bauer erlaubte ihr, sein schönstes Ross zu erdrücken. Von da an war sie frei.


Dazu gelten die Regeln für alle Hästräger.

Falsch
RichtigNeben den drei Haupthäs gehören diese Figuren zur Zunft. Im Umzug gehen sie vorneweg.

Zwei Büttel gehen der Zunft im Umzug voran. Mit ihren Schellen läuten sie symbolisch die Fasnet ein.

Feldmauser und Gaushirt erinnern an zwei Ämter, die die Gemeinde Herbertingen bis ins 20. Jahrhundert vergeben hat: den Mausfänger und den Gänsehirten. Beide hatten eine wichtige Aufgabe für das Dorf, und beide haben ihre eigenen Geschichten hinterlassen.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Feldmäuse eine echte Gefahr für die Ernte. Die Gemeinde musste von Amts wegen eingreifen: 1829 kaufte sie 220 Pfund Arsen, um die Mäuse zu vergiften. Im Frühjahr 1847 sollten die Mauslöcher zugetreten und die Mäuse „wieder wie früher“ mit Fallen und Gift bekämpft werden. Allein 1854 wurden 4000 Mäuse auf dem Rathaus abgeliefert, und noch 1930 hatte die Plage einen Umfang angenommen, der „zu ernsthaften Bedenken für die Landwirtschaft“ Anlass gab.
Die Gemeinde stellte deshalb Schermausfänger an, die nebenberuflich Mäuse fingen. Im Volksmund hießen sie Feldmauser. 1825 gab es fünf von ihnen, jeder erhielt 100 Gulden. Ihre Dienstanweisung war klar: Sie sollten „miteinander gemeinschaftlich alle Plätze mausen“. Wurde ein Platz schlecht gemaust, durfte die Gemeinde einen anderen Mauser holen und dessen Lohn den übrigen abziehen.
Mit dem Eifer haperte es trotzdem. 1841 zog die Gemeinde jedem Mauser einen Gulden vom Gehalt ab, „wegen schlechter Besorgung ihres Dienstes“. Weil die Beschwerden nicht aufhörten, gab es später nur noch Geld für jede gefangene Maus. Als Beweis mussten die Mauser die Mäuseschwänze auf dem Rathaus abgeben. 1919 brachte ein Schwanz 25 Pfennige.
Zu den letzten Feldmausern gehörten der „Riedmüller Done“ (Anton Weiß) und Hans Reutter.
Damit das Vieh nicht durch Straßen, Felder und Wälder zog und Schaden anrichtete, vergab die Gemeinde jedes Jahr Hirtenämter. Es gab Kuhhirten, Ochsenhirten und Kälberhirten, und wer seine Tiere frei laufen ließ, musste teils sogar mit Strafe rechnen.
Auch die Gänse brauchten einen Hirten. Ab Johanni, dem 24. Juni, trieb der Gänsehirt, im Volksmund Gaushirt, sie auf die Weide und bekam für jedes Tier eine Entschädigung. Anders als die Feldmauser machten die Gaushirten ihre Sache offenbar gut: Über sie gab es kaum Klagen. Schwierig war nur, jemanden für das Amt zu finden. Einmal übernahm es sogar eine Frau, nachdem die Stelle lange unbesetzt geblieben war.
Gehütet wurden die Gänse auf der Ganwiese zwischen dem heutigen Nepomuk-Platz und der früheren Riedmühle, eingeschlossen von Bettelbühlbach und Gsödbach. Tagsüber standen sie im Gauspferch an der heutigen Kreuzung Angerstraße und Wielandstraße, wo später Maurermeister Konrad Engler seine Werkstatt baute. Das eingezäunte Gelände war nur über eine Furt durch den Bach zu erreichen.
Der Gaushirt hat sogar ein eigenes Lied. Der Gausbibermarsch ist das älteste heute noch bekannte Herbertinger Fasnetslied. Den Text dichtete Tierarzt Dr. Alois Fischer auf eine alte Volksweise, derselbe Dr. Fischer, der 1952 die Narrenzunft wiedergegründet hat.
Im Lied folgen die Gausbiber, die jungen Gänse, ihrem General, dem Gaushirt, und befolgen seine Befehle. 1998 arrangierte Musikdirektor Günter Buck den Marsch neu und nahm ihn mit der Gemeindemusik Herbertingen auf, um ihn für die Nachwelt zu bewahren. Gesungen wird er an der Fasnet bis heute.

Die Zunftbrüder sind die amtierenden Mitglieder des Ausschusses. Im Umzug gehen sie vorne mit und führen die Zunft an.
Wie Schrättele und Weckazwinger richtig getragen werden, steht oben bei der jeweiligen Figur. Den Strohbutz tragen nur erfahrene Narren. Diese Regeln gelten für alle.
Dann werde Mitglied der Zunft. Wie es danach weitergeht, erklären wir dir gern.