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Narrenzunft Herbertingenit heina · s'geit a Fasnet
Wia mir ausseahet

Häs & Masken

Jede Figur der Zunft hat ihre eigene Maske, ihr eigenes Häs und ihre eigene Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die drei Haupthäs: Strohbutz, Weckazwinger und Schrättele.

Strohbutz in ganzer Gestalt im abgeernteten Kornfeld, die Geißel mit den Saublåtern erhoben
Dr Ältescht

Strohbutz

Der Strohbutz ist die älteste Figur der Herbertinger Fasnet. Mit seinem lachenden Gesicht und dem raschelnden Häs ist er im Umzug nicht zu übersehen.

Maske
Holzmaske mit freundlich lachendem Gesicht.
Häs
Ein kompletter Anzug, rundum mit Bast benäht. Der Bast steht für das Stroh, in das sich früher die Kinder wickelten.
Hut
Ein großer Schlapphut mit Bast und Fuchsschwanz.
Zubehör
Eine Geißel mit Saublåtern, also getrockneten Schweinsblasen.
Fliagt a Vögele übers Feld,gib mir au a Fasnetsgeld,aber it so wenig,oder i sag's em König!
Vers der Kinder beim Sammeln des Fasnetsgelds
Woher der Strohbutz kommt

Kinder im Stroh

Früher wickelten sich Kinder in der Fasnet in Stroh und zogen von Haus zu Haus. An jeder Tür sagten sie einen Vers auf und baten um ein wenig Fasnetsgeld. Aus diesem Brauch ist der Strohbutz entstanden.

Strohbutz mit lachender Holzmaske und Hut im Kornfeld
Die MaskeFoto: Viola Baur
Strohbutz in Bewegung bei einem Umzug, im Hintergrund Zuschauer
Im UmzugFoto: Thomas Warnack
Weckazwinger in ganzer Gestalt im Kornfeld, mit bemaltem weißem Häs und Schellenstock
Dr Weißnarr

Weckazwinger

Der Weckazwinger ist der Weißnarr der Zunft. Sein Häs ist mit ländlichen Motiven bemalt und überall hängen kleine Holzwecken und kleine Glöckchen.

Maske
Freundliches Gesicht mit angenähter Zipfelmütze.
Häs
Aus Stoff, bemalt mit ländlichen Motiven.
Goller
Ein Kragen aus Leder. An Goller und Häs hängen kleine Holzwecken und Glöckchen.
Zubehör
Ein Schellenstock.
Wie der Weckazwinger zu seinem Namen kam

Die Bittgänge

Um 1900 besuchten sich die Kirchengemeinden der Gegend noch gegenseitig in Bittgängen. Über Felder und Fluren zogen sie zueinander und erbaten den Segen Gottes. Voran ging das Kreuz, dann der Pfarrer mit den Ministranten und schließlich die Bittgänger. Die Wege waren oft 10 bis 15 Kilometer lang, und unterwegs kamen Hunger und Durst.

Vor den Kirchen standen deshalb Marktweiber und verkauften Wecken. Der Sage nach reichten Wecken und Brot immer, wenn die Nachbarn nach Herbertingen kamen. Kamen aber die Herbertinger zu Besuch, war nie genug da. Böse Zungen behaupten, es musste sogar nachgebacken werden. Daher stammt der Name Weckazwinger.

Weckazwinger mit lachender Maske, Zipfelmütze und Schellenstock
Die MaskeFoto: Viola Baur
Rückseite des Weckazwinger-Häs mit aufgemaltem Haus, im Hintergrund eine rote Backsteinkapelle
Bemalt bis auf den RückenFoto: Viola Baur
Eine Gruppe Weckazwinger mit Schellenstöcken zieht durch Herbertingen, vorne winkt einer den Zuschauern zu
Im UmzugFoto: Thomas Warnack
Für älle im HäsSo wird das Weckazwinger-Häs getragen

Anziehen

  • Unter dem Häs ist der weinrote Rolli Pflicht.
  • Der Zipfel der Mütze wird immer am Goller festgebunden.
  • Lange Haare dürfen nicht unter der Maske hervorschauen.
  • Dazu gehören schwarze Schuhe oder schwarze Stiefel, auch Sohlen und Schnürsenkel schwarz. Turnschuhe sind tabu.
  • Der Schellenstock ist immer dabei.

Im Umzug

  • Der Weckazwinger trägt während des Umzugs immer weiße Handschuhe.
  • Er hüpft mit etwa einer Stocklänge Abstand zum Vordermann und winkt dem Publikum zu. Der Schellenstock ist dabei immer auf der Innenseite.
  • Kinder laufen vor den Erwachsenen. Bei Kindern ist die Farbe von Schuhen und Handschuhen egal.

Dazu gelten die Regeln für alle Hästräger.

Weinroter Rollkragenpullover mit Aufdruck der Narrenzunft, darunter die weiße Häshose
Der weinrote Rolli
Weckazwinger mit offenen langen Haaren, ohne Handschuhe und in TurnschuhenFalsch
Lange Haare, keine Handschuhe, Turnschuhe
Weckazwinger mit weißen Handschuhen, schwarzen Schuhen, festgebundener Mütze und SchellenstockRichtig
Weiße Handschuhe, schwarze Schuhe, Mütze am Goller
Schrättele in ganzer Gestalt im Kornfeld, mit Korb, rotem Rock und geringelten Strümpfen
S'griesgrämig Weible

Schrättele

Das Schrättele zeigt das Gesicht eines alten, griesgrämigen Weibleins. Hinter der Figur stecken zwei Sagen von Mägden, die nachts als Schrättele umgehen mussten.

Maske
Ein altes, griesgrämiges Weiblein.
Häs
Rock mit Schürze, Bluse und ein dunkelblaues Kopftuch mit roten Flicken.
Schuhe
Holzschuhe.
Zubehör
Ein Korb mit Süßigkeiten für die Kinder oder eine Neckschere für kleine Späße.
Die Sagen vom Schrättele

Die Magd und der Hund

Eine Herbertinger Magd musste jede Nacht als Schrättele wandern. Als der Bauer merkte, dass sie nachts das Haus verließ, stellte er sie zur Rede. Nach langem Zögern gestand sie es. Helfen könne ihr nur eines: Sie müsse im Haus zerbrechen dürfen, was sie wolle.

Der Bauer willigte ein. Am nächsten Morgen war sein liebstes Tier, der Hund, tot. Die Magd aber war frei.

Die Magd als weiße Maus

Eine andere Magd hatte das Schrättelegehen von ihrer Mutter geerbt. Nachts wanderte ihre Seele als weiße Maus umher und musste etwas erdrücken. Der Bauer kam ihr auf die Schliche und versperrte der Maus den Weg in den Stall.

Am Morgen war die Magd ganz zerschunden, denn sie hatte in der Nacht eine Eiche erdrückt, die im Hof lag. Sie gestand, ein Schrättele zu sein. Der Bauer erlaubte ihr, sein schönstes Ross zu erdrücken. Von da an war sie frei.

Schrättele mit dunkelblauem Kopftuch, roten Flicken und geschnitzter Holzmaske
Die MaskeFoto: Viola Baur
Schrättele mit ausgestreckter Neckschere bei einem Umzug
Mit der Neckschere unterwegsFoto: Thomas Warnack
Für älle im HäsSo wird das Schrättele-Häs getragen

Anziehen

  • Die Bluse wird über dem Rock getragen. Ziehst du sie aus, sind der blaue Rolli oder das T-Shirt der Narrenzunft Pflicht.
  • Die Schürze wird hinten gebunden.
  • Sobald das Häs an ist, trägst du immer Holzschuhe.
  • Hexenhosen sind kein Muss. Wenn du welche trägst, dürfen sie nicht zu sehen sein.
  • Zum Häs gehört immer ein geflochtener Korb mit Süßigkeiten oder eine Neckschere. Die Neckschere ist nur für Erwachsene.

Im Umzug

  • Das Schrättele verteilt Süßigkeiten. Kein Konfetti und kein Saustift!
  • Die grünen Handschuhe bleiben während des Umzugs an, die Maske bleibt auf.
  • Schwarze Handschuhe tragen ausschließlich die Oberschrättele.
  • Kinder und Eltern mit Kinderwagen oder anderen Gefährten laufen im vorderen Teil der Gruppe.

Dazu gelten die Regeln für alle Hästräger.

Blauer Rollkragenpullover mit Aufdruck der Narrenzunft, darüber die rote Schürze mit blauer Tasche
Der blaue Rolli
Schrättele mit offenen Haaren, ohne Handschuhe, mit sichtbarem Becher, Hexenhose und TurnschuhenFalsch
Offene Haare, Becher, Hexenhose, Turnschuhe
Schrättele mit grünen Handschuhen, Korb, hinten gebundener Schürze und HolzschuhenRichtig
Grüne Handschuhe, Korb, Holzschuhe
Au no drbei

Wer sonst noch mitläuft

Neben den drei Haupthäs gehören diese Figuren zur Zunft. Im Umzug gehen sie vorneweg.

Zwei Büttel in grüner Uniform mit Mütze und Schelle bei einem Umzug
D'Fasnet eiläuta

Büttel

Zwei Büttel gehen der Zunft im Umzug voran. Mit ihren Schellen läuten sie symbolisch die Fasnet ein.

Häs
Eine alte grüne Polizeiuniform mit Mütze und Koppel.
Zubehör
Ein kleiner Dolch am Gürtel und die Schelle in der Hand.
Feldmauser und Gaushirt in ihrem Häs vor einer alten Holztür: Holzmasken mit Schnurrbart, schwarze Hüte, Umhängetasche, Lederbeutel und Horn
Zwoi alte Gmoidsämter

Feldmauser und Gaushirt

Feldmauser und Gaushirt erinnern an zwei Ämter, die die Gemeinde Herbertingen bis ins 20. Jahrhundert vergeben hat: den Mausfänger und den Gänsehirten. Beide hatten eine wichtige Aufgabe für das Dorf, und beide haben ihre eigenen Geschichten hinterlassen.

Masken
Holzmasken mit Schnurrbart, dazu schwarze Hüte.
Die Geschichte der beiden Ämter

Der Feldmauser

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Feldmäuse eine echte Gefahr für die Ernte. Die Gemeinde musste von Amts wegen eingreifen: 1829 kaufte sie 220 Pfund Arsen, um die Mäuse zu vergiften. Im Frühjahr 1847 sollten die Mauslöcher zugetreten und die Mäuse „wieder wie früher“ mit Fallen und Gift bekämpft werden. Allein 1854 wurden 4000 Mäuse auf dem Rathaus abgeliefert, und noch 1930 hatte die Plage einen Umfang angenommen, der „zu ernsthaften Bedenken für die Landwirtschaft“ Anlass gab.

Die Gemeinde stellte deshalb Schermausfänger an, die nebenberuflich Mäuse fingen. Im Volksmund hießen sie Feldmauser. 1825 gab es fünf von ihnen, jeder erhielt 100 Gulden. Ihre Dienstanweisung war klar: Sie sollten „miteinander gemeinschaftlich alle Plätze mausen“. Wurde ein Platz schlecht gemaust, durfte die Gemeinde einen anderen Mauser holen und dessen Lohn den übrigen abziehen.

Mit dem Eifer haperte es trotzdem. 1841 zog die Gemeinde jedem Mauser einen Gulden vom Gehalt ab, „wegen schlechter Besorgung ihres Dienstes“. Weil die Beschwerden nicht aufhörten, gab es später nur noch Geld für jede gefangene Maus. Als Beweis mussten die Mauser die Mäuseschwänze auf dem Rathaus abgeben. 1919 brachte ein Schwanz 25 Pfennige.

Zu den letzten Feldmausern gehörten der „Riedmüller Done“ (Anton Weiß) und Hans Reutter.

Der Gaushirt

Damit das Vieh nicht durch Straßen, Felder und Wälder zog und Schaden anrichtete, vergab die Gemeinde jedes Jahr Hirtenämter. Es gab Kuhhirten, Ochsenhirten und Kälberhirten, und wer seine Tiere frei laufen ließ, musste teils sogar mit Strafe rechnen.

Auch die Gänse brauchten einen Hirten. Ab Johanni, dem 24. Juni, trieb der Gänsehirt, im Volksmund Gaushirt, sie auf die Weide und bekam für jedes Tier eine Entschädigung. Anders als die Feldmauser machten die Gaushirten ihre Sache offenbar gut: Über sie gab es kaum Klagen. Schwierig war nur, jemanden für das Amt zu finden. Einmal übernahm es sogar eine Frau, nachdem die Stelle lange unbesetzt geblieben war.

Gehütet wurden die Gänse auf der Ganwiese zwischen dem heutigen Nepomuk-Platz und der früheren Riedmühle, eingeschlossen von Bettelbühlbach und Gsödbach. Tagsüber standen sie im Gauspferch an der heutigen Kreuzung Angerstraße und Wielandstraße, wo später Maurermeister Konrad Engler seine Werkstatt baute. Das eingezäunte Gelände war nur über eine Furt durch den Bach zu erreichen.

Der Gausbibermarsch

Der Gaushirt hat sogar ein eigenes Lied. Der Gausbibermarsch ist das älteste heute noch bekannte Herbertinger Fasnetslied. Den Text dichtete Tierarzt Dr. Alois Fischer auf eine alte Volksweise, derselbe Dr. Fischer, der 1952 die Narrenzunft wiedergegründet hat.

Im Lied folgen die Gausbiber, die jungen Gänse, ihrem General, dem Gaushirt, und befolgen seine Befehle. 1998 arrangierte Musikdirektor Günter Buck den Marsch neu und nahm ihn mit der Gemeindemusik Herbertingen auf, um ihn für die Nachwelt zu bewahren. Gesungen wird er an der Fasnet bis heute.

Sechs Zunftbrüder nebeneinander in weinroten Mänteln, blauen Wämsern und blauen Samtkappen
Vorna weg

Zunftbrüder

Die Zunftbrüder sind die amtierenden Mitglieder des Ausschusses. Im Umzug gehen sie vorne mit und führen die Zunft an.

Häs
Angelehnt an die Kleidung mittelalterlicher Ratsherren: ein blaues Samtwams über weißer Bluse, darüber ein weinroter Mantel.
Kopf und Füße
Eine blaue Samtkappe und Schnallenschuhe.
Für älle im Häs

Damit das Häs Freude macht

Wie Schrättele und Weckazwinger richtig getragen werden, steht oben bei der jeweiligen Figur. Den Strohbutz tragen nur erfahrene Narren. Diese Regeln gelten für alle.

Im Umzug

  • Vor dem Umzug ist der Aufstellungsplatz Treffpunkt für alle Hästräger.
  • Getränkebecher sind während des Umzugs nicht sichtbar am Häs.
  • Bei Fragen könnt ihr euch an die für eure Häsgruppe zuständigen Gruppenführer wenden.

Häsabgabe

  • Prüf dein Häs nach der Fasnet auf Mängel.
  • Was du nicht selbst beheben kannst, sprichst du bei der Häsabgabe an.
  • Das Häs wird sauber und gewaschen abgegeben.

Arbeitsdienste

  • Auch unter dem Jahr hilft die Zunft mit, etwa am Angerfest und an der Hausfasnet. Deshalb leisten alle Mitglieder Arbeitsdienste.
  • Vor allem im OHA-Jahr gibt es viel zu tun. Nur gemeinsam stemmen wir das.
  • Für die Dienste meldest du dich in unserer Zunft-App an.
Mitmachen

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